Portrait Andreas Kollross

Nachgefragt: Aufnahmetests für Gymnasien

Wir haben bei unsererem Landesvorsitzenden Abg. z. NR Bgm. Andreas Kollross nachgefragt. Was spricht aus seiner Sicht gegen die Einführung der geplanten Aufnahmetests?

Der Aufnahmetests, so das Argument, sollen Eltern anhalten, ihre Kinder anstelle in eine AHS, auch in eine NMS zu schicken. Was kannst du diesem Argument abgewinnen?

Nichts. Aufnahmetests sind ein Irrweg. Sie zwingen manche Kinder in einen Schultyp, den sie gar nicht wollen. Auf ihren Rücken wird ein Symptom, anstelle der Ursache bekämpft. Eltern, Kinder und Lehrer/innen kennen ja den Druck: NMS oder Gymnasium? Wie wird das Zeugnis ausfallen? Gibt es einen Platz? Wohin gehen die Schulfreundinnen? Sie wollen verständlicherweise die besten Bildungschancen für ihr Kind. Da unser Bildungssystem Kinder aber viel zu früh nach der Volksschule auseinanderdividiert, ist es verständlich, dass Eltern für ihr Kind jenen Weg zu wählen versuchen, der die meisten Optionen eröffnet. Verschärfend kommt eine, mit dem aktuellen Bildungsbudget noch verschärfte, Ressourcenknappheit in der NMS hinzu.

Wie kann aus Kinderfreunde-Sicht anders reagiert werden?

Wir Kinderfreunde werben dafür, dass die Bildungsentscheidung erst später getroffen werden muss - nämlich frühestens mit 14 Jahren. Bis dorthin könnten alle Kinder, wie in der Volksschule, eine gemeinsame Schule besuchen. Mit gutem Grund ist das übrigens auch in den meisten anderen europäischen Ländern Praxis. Denn: Derzeit hängt es u.a. stark am Bildungshintergrund der Eltern, ob ein Kind den Weg ins Gymnasium schafft. Wer es also ernst damit meint, dass jedes Kind die besten Bildungschancen verdient, muss hier ansetzen. Verbaute Bildungschancen treffen das einzelne Kind, treffen in Summe aber auch die Zukunft unseres ganzen Landes.

Warum braucht es eine Änderung des Übergangs zwischen Volksschule und Gymnasium/Neue Mittelschule?

Weil die ÖVP-FPÖ-Bundesregierung diese Aufnahmetests durchsetzen will, um die eigentliche Ursache des zu frühen Auseinanderdividierens der Kinder nach Schultypen weiter ignorieren zu können! Das Gerangel um die Aufnahme ins Gymnasien wird damit bleiben. Stress und Druck sind an Familien, Kinder und Lehrer/innen weitergereicht. Und auf den Universitäten kommen ebenso Aufnahmeprüfungen im großen Stil.

Welche Maßnahmen könnten alternativ gesetzt werden?

Beenden wir rasch das zu frühe Auseinanderdividieren der Kinder. So eine „neue Schule“ zielt darauf ab, Lernbedürfnisse und Lernfreude aller Kinder möglichst lange zu erhalten. Denn: Talente und Potenziale von Kindern brauchen Zeit und Unterstützung für ihre Entwicklung. Möglichst optimale Lernbedingungen (Räume, Materialien, Lehr-Personal, Förderung von Talenten und Begabungen) beinhalten auch, dass lerntalentierte Schüler/innen Teil des Klassenverbundes bleiben und mit Hilfe moderner Unterrichtsformen das Lernen von Kind zu Kind stattfinden kann. So eine kinderfreundlichere Schule ist möglich, wie viele europäische Länder vorzeigen.

Würden Aufnahmetests den Druck auf Schülerinnen und Schüler erhöhen?

Ja, aber auch Eltern, Familien und Lehrer/innen sind betroffen. Prüfungen und Tests sind für Kinder Stress-Situationen. Und: Kinder, die das Glück haben, dass ihr Elternhaus sie beim Lernen besser unterstützt oder Nachhilfe bezahlen kann, haben bessere Chancen - verborgene Talente drohen verloren zu gehen. Das ist unfair für die Betroffenen und ein Schaden für die Zukunft unseres Landes!

Druckansicht
 


Österreichische Kinderfreunde Landesorganisation Niederösterreich
Niederösterreichring 1a · 3100 St. Pölten
02742 2255-500 ·

© 2015 Kinderfreunde. All rights reserved.